Der Ausbau des Fernwärmenetzes in Eppendorf und Hoheluft-Ost ist ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Wärmeversorgung, wird die beiden Stadtteile in den kommenden Jahren aber auch erheblich belasten. SPD, CDU und FDP wollen daher mit einem Stadtteilschutzkonzept dafür sorgen, dass insbesondere Einzelhandel und Gastronomie während der Bauzeit unterstützt werden und die gewachsenen Gewerbestrukturen erhalten bleiben.
Mit der Fernwärmespange Grindel–Eppendorf wird das Hamburger Fernwärmenetz in den kommenden Jahren erweitert und verstärkt. Die notwendigen Bauarbeiten gehen dabei teilweise mit erheblichen Einschränkungen im Straßenraum einher. Betroffen sind mit dem Lehmweg und der Eppendorfer Landstraße auch Bereiche, die von einer vielfältigen Einzelhandels- und Gastronomiestruktur geprägt sind.
Die Fraktionen von SPD, CDU und FDP wollen deshalb frühzeitig gegensteuern. Mit einem gemeinsamen Antrag zur Bezirksversammlung fordern sie, dass das Bezirksamt gemeinsam mit der zuständigen Fachbehörde und dem Bauträger die Einführung eines Pilot-Stadtteilschutzkonzepts für Eppendorf und Hoheluft-Ost prüft. Unter anderem sollen dabei mit den Hamburger Energiewerken, den örtlichen Gewerbetreibenden, Standortinitiativen und der Anwohnerschaft quartiersbezogene Maßnahmen entwickelt werden, um die Auswirkungen der Baustellen möglichst gering zu halten. Vorgeschlagen werden beispielsweise Informations-, Werbe- und Aktivierungsmaßnahmen, eine Erreichbarkeits- und Wegweisungskampagne für die ansässigen Betriebe sowie mögliche Entlastungen beim Parken. Auch die Dialogangebote der Hamburger Energiewerke sollen möglichst nah an den jeweils besonders betroffenen Bauabschnitten angeboten werden. Für Bewohnerinnen und Bewohner soll zudem geprüft werden, während der Bauzeit die überlappende Nutzung angrenzender Bewohnerparkzonen zu ermöglichen.
Die Erfahrungen aus Eppendorf und Hoheluft-Ost können dabei auch bei künftigen großen Infrastrukturprojekte nutzen. Perspektivisch soll deshalb geprüft werden, ob solche Stadtteilschutzkonzepte bei Infrastrukturgroßbaustellen künftig zum Standard werden können.
Tina Winter (SPD), Fraktionsvorsitzende:
„Große Baustellen wie die für die Fernwärmeleitungen sind notwendig, um beim Thema Energiewende voranzukommen. Ebenso lassen sich die U5-Baustellen in dicht besiedelten Stadtteilen nicht vermeiden. Nach der Fertigstellung werden Energie- und Mobilitätsangebote besser sein, dabei darf die Situation während der Bauzeit aber nicht aus dem Blick geraden. Die Baustellen führen beispielsweise durch Gebiete, die unter anderem für ihren vielfältigen, hochwertigen und auch für Touristen interessanten Einzelhandel bekannt sind. Ebenso stellen die Baustellen häufig eine Herausforderung für Anwohnende dar. Unser Antrag soll daher die Akzeptanz für die großen Projekte steigern und auch vergleichbare Schwierigkeiten für den Einzelhandel wie in der Osterstraße eindämmen: Wir bitten darin die zuständige Fachbehörde und den Bauträger den Fernwärmeausbau in Eppendorf und auch weitere Großbaustellen in Zukunft mit Stadtteilschutzkonzepten zu begleiten. Im Kern soll vor allem präventiv, aber auch während der Bauzeit mit dem Einzelhandel enger zusammengearbeitet werden, um ihn besser zu schützen. Aber auch gute Kommunikation gegenüber den Anwohnenden sowie Flexibilität bei Bewohnerparkzonen gehören in dieses Paket, um die notwendigen Großbaustellen für alle erträglicher zu machen.“
Jakob Breuer (CDU), Mitglied im Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude:
„Der Fernwärmeausbau ist ein wichtiger Schritt für eine zukunftssichere und klimafreundliche Wärmeversorgung. Gerade bei Projekten dieser Größenordnung, deren Steuerung auf Landesebene erfolgt, müssen die besonderen Bedürfnisse unserer Stadtteile von Anfang an verbindlich berücksichtigt werden. Eppendorf und Hoheluft-Ost sind mit ihrem einzigartigen Einzelhandels- und Gastronomieangebot weit über Hamburg hinaus bekannt. Diese gewachsenen Strukturen sichern Arbeitsplätze, schaffen Lebensqualität und prägen die Identität unseres Quartiers. Wenn einzelne Bauabschnitte beim Fernwärmeausbau weit über ein Jahr dauern, brauchen die ansässigen Gewerbetreibenden konkrete Unterstützung. Dazu gehören ein professionelles Werbekonzept für die Betriebe vor Ort, Entlastungen beim Parken, eine verlässliche Verkehrsführung und eine Dialogbox als feste Anlaufstelle für Betroffene.
Mit einem Stadtteilschutzkonzept wollen wir erreichen, dass Betriebe während der Bauzeit sichtbar, erreichbar und handlungsfähig bleiben. Zugleich sollen eine Förderung über den Stadtentwicklungsfonds für lebendige Quartiere sowie eine angemessene Kostenbeteiligung der Hamburger Energiewerke geprüft werden. Im Schulterschluss von Gewerbetreibenden, Anwohnern und Politik können wir die notwendige Infrastruktur schaffen und zugleich die Vielfalt, wirtschaftliche Stärke und besondere Identität unseres Viertels bewahren.“
Ron Schumacher (FDP), Vorsitzender des Regionalausschusses Eppendorf-Winterhude:
„Je schneller diese Baustellen erledigt werden, desto besser. Hamburg Energie ist dafür in der Verantwortung. Wenn sie schon den halben Stadtteil umgraben müssen, dann bitte für die Anwohner und Gewerbetreibenden so schonend wie möglich.“
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