Mobilitätswende oder doch nur Fahrradwege? Mit Antwort

Von Dr. Andreas Schott, Martina Lütjens, Caroline Mücke-Kemp, Dr. Petra Sellenschlo, Stefan Baumann, Philipp Kroll, Gunther Herwig (CDU)

Der Verkehr in Hamburg-Nord von Morgen braucht eine klare Vision für das Jahr 2050. Klimaneutralität im Jahr 2050 setzt ein ehrgeiziges Ziel, das nicht allein durch den Vollzug einer Energiewende im Verkehr zu bewerkstelligen ist. Im Verkehrssektor lässt sich die Wende nur erreichen, wenn ein Wechsel der Antriebstechnologie einhergeht mit der von Grün propagierten Mobilitätswende. In Hamburg wird vor allem das Ziel propagiert, dass diese Wende mit einem Umstieg auf das Fahrrad erreicht werden kann. Es werden feierlich nutzlose Fahrradparkhäuser, Pop-Up-Lanes oder rote Farbe auf Fahrbahnen eingeweiht.

Tatsächlich ist die echte Verkehrs- und Mobilitätswende aber vor allem ein Mix von unterschiedlichen Verkehrsträgern und insbesondere ein nachhaltiges Wachstum des öffentlichen Verkehrs. Es braucht hier eine deutliche Steigerung an Attraktivität, Quali- und Quantität sowie einer sinnvollen Verdichtung. Studien gehen hierbei von einer Verdopplung der Beförderungsleistung im öffentlichen Verkehr aus. Damit dies gelingt müssen Maßnahmen „vom Ende her“ gedacht und angegangen werden. Um das Ziel 2050 zu erreichen, ist es sinnvoll Zwischenziele für 2030 und 2040 zu formulieren.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die zuständige Senatsbehörden:

  1. Mit welchem Verkehrswachstums insgesamt wird für den Bezirk Hamburg-Nord jeweils für die Jahre 2030, 2040 und 2050 gerechnet? Bitte tabellarisch nach den Verkehrsarten Fußgänger, Radfahrer, Busverkehr, Schienengebundener ÖPNV, MIV darstellen.
    Stellungnahme der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende:
    Zu 1.:
    Im Rahmen der Verkehrsentwicklungsplanung wird derzeit mit Hilfe des Hamburger Verkehrsmodells eine Prognose der Verkehrsmengen und der Aufteilung auf die genannten Verkehrsmittel für das Jahr 2030 erarbeitet. Daraus lassen sich auch Werte für die einzelnen Bezirke ableiten. Die Ergebnisse liegen aktuell noch nicht vor. Prognosen für die Jahre 2040 und 2050 gibt es derzeit nicht.


  2. Welche Ziele werden für den Bezirk Hamburg-Nord für die Jahre 2030, 2040 und 2050 gesetzt, um die Mobilitätswende zu schaffen? Bitte einzeln nach den unter 1. genannten Verkehrsarten aufzeigen.
    Zu 2.:
    Der Senat hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 einen Modal Split-Anteil des Umweltverbunds von 80% bezogen auf die Wege der Hamburger Bevölkerung zu erreichen. Mindestens 25% der Wege sollen mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Dieses Ziel gilt gesamtstädtisch. Der Beitrag innerstädtischer Quartiere mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und kurzen Wegen wird dabei insgesamt höher sein können als der Beitrag eher ländlich geprägter Stadtteile.

  3. Welche Maßnahmen plant der Senat konkret für die U-Bahnlinie U1 im Bezirksbereich Hamburg-Nord bis zu den Jahren 2030, 2040 und 2050 im Einzelnen umzusetzen, um die Verkehrswende zu schaffen?
    Zu 3.:
    Bis Mitte der 2030er Jahre wird mit dem Neubau der U5 eine weitere Fahrbeziehung von der U1-Anbindung an der Haltestelle Sengelmannstraße in Richtung Innenstadt und Bramfeld in Betrieb gehen. Damit wird Fahrgästen aus den mit der U5 angebundenen Stadtteilen auch eine schnellere Fahrbeziehung in Verbindung mit der U1 z.B. nach Fuhlsbüttel ermöglicht. Daneben erfolgt mit dem bis Ende der 2020er Jahre geplanten Stellwerkserneuerungsprogramm auf der U1 auch eine Überprüfung, ob zur Kapazitätserhöhung und Stabilisierung des UBahn Betriebes zusätzliche Gleisverbindungen, Kehrgleise oder Möglichkeiten für einen Gleiswechselbetrieb geschaffen werden können.

  4. Welche Maßnahmen plant der Senat konkret für die S-Bahnlinie S1 im Bezirksbereich Hamburg-Nord bis zu den Jahren 2030, 2040 und 2050 im Einzelnen umzusetzen, um die Verkehrswende zu schaffen?
    Zu 4.:
    Im kurzfristigen Fokus ist die Stabilisierung der Pünktlichkeit und Verbesserung/Modernisierung der Fahrgastinformation. Hierzu zählen betriebliche Maßnahmen und etwa neue Zugzielanzeiger an den Stationen. Die Barrierefreiheit an allen S-Bahnstationen konnte mit Umstellung der Station Kornweg bereits abgeschlossen werden. Bis etwa 2030 ist im Zuge der Überlegungen zum Hamburg-Takt eine Ausweitung des heutigen Angebots in der Hauptverkehrszeit (HVZ) an Werktagen (Betrieb Linien S1 und S11) auf einen tagsüber durchgehenden HVZ-Betrieb vorgesehen. Aufgrund der Strecken- bzw. Linienteilung nördlich von Ohlsdorf und abhängig der künftigen Nachfrage ist das konkrete Fahrplanangebot auszugestalten. Dabei steht zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel weniger die Ausweitung der Taktlagen im Mittelpunkt, sondern eine Ausweitung der bisherigen Zugstärken der S1 mit einer Reduzierung des Kurzzugeinsatzes. Neben der reinen Fahrplanzeit kann daher auch über die eingesetzten Fahrzeuglängen (Kurzzug, Vollzug) eine gezielte Angebotsanpassung erfolgen. Auch wird die avisierte Digitalisierung des S-Bahnnetzes kapazitätssteigernde und stabilisierende Effekte in Richtung Airport/ Poppenbüttel bringen.
    Des Weiteren erfolgt nach 2030 die sukzessive Einführung der Nachfolgebaureihe für die heutigen Züge der Baureihe ET 474. Diese werden an den zukünftigen Bedürfnissen und Zielen der Mobilitätswende ausgerichtet und sollen damit zu einer weiteren Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV) beitragen. Im Rahmen des ´Dialogforum Schiene Hamburg-Altona` (https://www.dialogforum-schienehamburg-altona.de/die-gueterumgehungsbahn) wird derzeit auch die grundsätzliche Machbarkeit einer Reaktivierung der heutigen Güterumgehungsbahn für den Schienenpersonennahverkehr geprüft. Für den Zeitraum nach 2035 bestehen darüber hinaus noch keine konkreten Planungen. Diese werden in den nächsten Jahren sukzessive entwickelt und von den dann bestehenden Rahmenbedingungen und Anforderungen sowie technischen Möglichkeiten bestimmt.

  5. Welche Maßnahmen werden geplant, um das Verkehrsnetz in den unter 1. dargestellten Verkehrsarten zu verdichten? Bitte Maßnahmen möglichst konkret benennen.
    Zu 5.:
    Schienengebundener öffentlicher Verkehr (ÖV): siehe Antwort zu 4

    Busverkehr
    Im Rahmen des Hamburg-Taktes wird das Busnetz im gesamten Stadtgebiet weiterentwickelt. Dies betrifft eine dichtere Taktung bestehender Linien und die Einführung neuer Haltestellen und Linien, insbesondere neuer Metrobus- und Expressbusverbindungen. Darüber hinaus wird der klassische Busverkehr gezielt um On-Demand-Angebote ergänzt, mit dem Ziel, eine möglichst flächendeckende ÖV-Erreichbarkeit umzusetzen. Die konkrete Umsetzung erfolgt pandemiebedingt in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Fahrgastzahlensteigerung und der zur Verfügung stehenden Businfrastruktur.

    Radverkehr
    Im Bezirk Hamburg-Nord wurden bzw. werden die Velorouten 4, 5, 6, 13 und 14 sowie ein kurzes Stück der Veloroute 7 ausgebaut, hinzukommen die Alster Fahrradachsen sowie die Instandsetzung von Radwegen wie z. B. am Jahnring. Darüber hinaus wurde bzw. wird das StadtRAD-Netz weiter ausgebaut; der Bezirk Hamburg- Nord verfügt mit derzeit 62 Stationen nach Hamburg-Mitte über die meisten StadtRADStationen in Hamburg.

    Fußverkehr
    Die BVM erarbeitet derzeit eine gesamtstädtische Fußverkehrsstrategie. Die Entwicklung und Umsetzung von stadtteilbezogenen Fußverkehrskonzepten erfolgt durch die Bezirke. Kurzfristige Maßnahmen für fußverkehrsfreundliche Straßenräume erfolgen im Rahmen von laufenden Straßenplanungen kontinuierlich und können durch die Bezirke bedarfsorientiert umgesetzt werden. Motorisierter Individualverkehr (MIV) (Hauptverkehrsstraßen) Eine Verdichtung des Hauptverkehrsstraßennetzes ist im Bezirk Nord nicht geplant. Maßnahmen im Hauptverkehrsstraßennetz werden sich in den kommenden Jahren auf die Bereiche Erhaltungsmanagement, Priorisierung für den Umweltverbund und Entwicklung der Magistralen konzentrieren.

  6. Welche Maßnahmen werden gemeinsam mit den nördlichen Gemeinden an der Bezirksgrenze Hamburg-Nord in den genannten Verkehrsarten geplant?
    Zu 6.:
    Der Radschnellweg Bad Bramstedt – Hamburg wird als grenzüberschreitendes Projekt derzeit vorbereitet.