In Hamburg-Nord fehlen vielerorts öffentlich zugängliche Toiletten. Die Fraktionen von SPD, CDU, FDP und GRÜNE wollen deshalb neue Wege prüfen lassen, um bestehende Versorgungslücken schneller und kostengünstiger zu schließen. Ein entsprechender Antrag wurde im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität am Mittwoch einstimmig beschlossen.
Bisher scheitert die Einrichtung zusätzlicher Anlagen häufig an hohen Investitions- und Betriebskosten. Nach Ansicht der antragstellenden Fraktionen sollten daher neben den bisher üblichen Toilettenanlagen auch einfachere Modelle berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise Trocken- und Komposttoiletten, das Konzept der „Netten Toilette“ sowie kleine, speziell für Kinder entwickelte Lösungen auf Spielplätzen. Auch eine Kombination verschiedener Angebote ist denkbar.
Gleichzeitig sollen bestehende öffentliche Toiletten besser ausgeschildert und zuverlässig gepflegt werden. Die zuständigen Stellen sollen dabei außerdem untersuchen, ob private Anbieter entsprechende Anlagen günstiger errichten und betreiben könnten als die bislang beauftragten öffentlichen Unternehmen.
Darüber hinaus fordert der Antrag gegenüber der zuständigen Behörde, die öffentliche Toiletteninfrastruktur bei der Aufstellung künftiger Haushalte stärker zu berücksichtigen. Ziel ist es, sowohl Investitionen als auch die laufenden Kosten für zusätzliche Standorte finanziell abzusichern.
Auf Initiative der GRÜNEN wird die Stadtreinigung zudem gebeten, zu berichten, welche Pläne sie mit den sogenannten „Oiletten“ hat. Sie sollen Kindern auf Spielplätzen als kostengünstige Alternative zu WCs dienen. Auch eine fachliche Einschätzung zu „Trockentoiletten“ ohne Wasserspülung wird erbeten.
Tina Winter (SPD), Fraktionsvorsitzende:
„Öffentliche Toiletten sind ein Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die Stadt Hamburg hat in den letzten Jahren immer wieder öffentliche Toiletten errichtet. Das Angebot reicht derzeit aber noch nicht aus, insbesondere nicht jenseits der innenstadtnahen Stadtteile in Hamburg-Nord. Trotz der angespannten finanziellen Lage können wir an dieser Stelle nicht lockerlassen. Zu oft erreichen uns dazu Hinweise, Wünsche und Nachfragen von Bürgerinnen und Bürgern. Mit unserem Antrag bitten wir die zuständige Behörde, nochmals nach Lösungen zu suchen, die bei entsprechender Priorisierung im Haushalt möglicherweise auch mit kleinerem Mitteleinsatz machbar sind. Vor allem bei den Spielplätzen würden wir uns freuen, wenn in absehbarer Zeit beispielsweise mit den derzeit diskutierten Oiletten wenigstens für Kinder Abhilfe geschaffen wird.“
Ralf-Martin Diedrich (CDU), Mitglied im Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität:
„Wir als CDU stehen für eine verlässliche und bürgernahe Infrastruktur in Hamburg-Nord. Dazu gehören auch ausreichend öffentliche Toiletten. Statt jahrelang über hohe Kosten zu diskutieren, wollen wir pragmatische und günstigere Lösungen prüfen und dort umsetzen, wo sie gebraucht werden.“
Monika Grodt-Kuhn (FDP), Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität:
„Der Ausbau öffentlicher Toiletten muss stärker in den Fokus rücken. Besonders auf Spielplätzen fehlen oft sanitäre Anlagen, obwohl gerade Kinder auf eine schnell erreichbare Möglichkeit angewiesen sind. Mit Initiativen wie der „Netten Toilette“ ist ein erster guter Anfang gemacht, reicht für den Bedarf auf öffentlichen Freiflächen jedoch nicht aus. Um flächendeckend Abhilfe zu schaffen, soll künftig verstärkt auf günstigere und unkomplizierte Toilettenmodelle gesetzt werden. Solche pragmatischen Lösungen lassen sich schnell installieren, schonen das Budget und sorgen für sauberere Park- und Spielanlagen im gesamten Bezirk.“
Christoph Reiffert (GRÜNE), Sprecher für Umwelt:
„Jedes Geschäft, das nicht ins Gebüsch geht, schützt unsere Parks und Spielplätze. Weil wartungsarme Automatiktoiletten einfach zu teuer sind, bin ich froh, dass die Stadtreinigung über Alternativen wie die „Nette Toilette“, die „Oiletten“ für Kinder auf Spielplätzen oder vielleicht auch Trocken-WCs ohne aufwändige Leitungsinstallationen nachdenkt. Wir müssen Lösungen finden, die den Menschen helfen und die finanzierbar sind.“
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