CDU Bezirksfraktion Hamburg-Nord

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Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel

Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel
- es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
das Coronavirus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch. Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialen Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor.
Millionen von Ihnen können nicht zur Arbeit, Ihre Kinder können nicht zur Schule oder in die Kita, Theater und Kinos und Geschäfte sind geschlossen, und, was vielleicht das Schwerste ist: uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst selbstverständlich sind. Natürlich ist jeder von uns in solch einer Situation voller Fragen und voller Sorgen, wie es weitergeht.
Ich wende mich heute auf diesem ungewöhnlichen Weg an Sie, weil ich Ihnen sagen will, was mich als Bundeskanzlerin und alle meine Kollegen in der Bundesregierung in dieser Situation leitet. Das gehört zu einer offenen Demokratie: dass wir die politischen Entscheidungen auch transparent machen und erläutern. Dass wir unser Handeln möglichst gut begründen und kommunizieren, damit es nachvollziehbar wird.
Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe begreifen.
Deswegen lassen Sie mich sagen: Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.
Ich möchte Ihnen erklären, wo wir aktuell stehen in der Epidemie, was die Bundesregierung und die staatlichen Ebenen tun, um alle in unserer Gemeinschaft zu schützen und den ökonomischen, sozialen, kulturellen Schaden zu begrenzen. Aber ich möchte Ihnen auch vermitteln, warum es Sie dafür braucht, und was jeder und jede Einzelne dazu beitragen kann.
Zur Epidemie - und alles was ich Ihnen dazu sage, kommt aus den ständigen Beratungen der Bundesregierung mit den Experten des Robert-
Dorotheenstr. 84
10117 Berlin
Tel. +49 30 18 272-2030
Fax +49 30 18 272-3152
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www.bundesregierung.de
www.bundeskanzlerin.de
Nummer 100/20 vom 18. März 2020
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Bitte beachten Sie den Hinweis zu den unten genannten Sperrfristen!
Koch-Instituts und anderen Wissenschaftlern und Virologen: Es wird
weltweit unter Hochdruck geforscht, aber noch gibt es weder eine
Therapie gegen das Coronavirus noch einen Impfstoff.
Solange das so ist, gibt es nur eines, und das ist die Richtschnur all
unseres Handelns: die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sie über
die Monate zu strecken und so Zeit zu gewinnen. Zeit, damit die
Forschung ein Medikament und einen Impfstoff entwickeln kann. Aber
vor allem auch Zeit, damit diejenigen, die erkranken, bestmöglich
versorgt werden können.
Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der
besten der Welt. Das kann uns Zuversicht geben. Aber auch unsere
Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele
Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der
Coronainfektion erleiden.
Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen in einer Statistik, sondern dass ist
ein Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin
oder Partner, es sind Menschen. Und wir sind eine Gemeinschaft, in der
jedes Leben und jeder Mensch zählt.
Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit zu aller erst an alle wenden, die
als Ärzte oder Ärztinnen, im Pflegedienst oder in einer sonstigen
Funktion in unseren Krankenhäusern und überhaupt im
Gesundheitswesen arbeiten. Sie stehen für uns in diesem Kampf in der
vordersten Linie. Sie sehen als erste die Kranken und wie schwer manche
Verläufe der Infektion sind. Und jeden Tag gehen Sie aufs Neue an Ihre
Arbeit und sind für die Menschen da. Was Sie leisten, ist gewaltig, und
ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür.
Also: Es geht darum, das Virus auf seinem Weg durch Deutschland zu
verlangsamen. Und dabei müssen wir, das ist existentiell, auf eines
setzen: das öffentliche Leben soweit es geht herunterzufahren. Natürlich
mit Vernunft und Augenmaß, denn der Staat wird weiter funktionieren,
die Versorgung wird selbstverständlich weiter gesichert sein und wir
wollen so viel wirtschaftliche Tätigkeit wie möglich bewahren.
Aber alles, was Menschen gefährden könnte, alles, was dem Einzelnen,
aber auch der Gemeinschaft schaden könnte, das müssen wir jetzt
reduzieren.
Wir müssen das Risiko, dass der eine den anderen ansteckt, so
begrenzen, wie wir nur können.
Nummer 100/20 vom 18. März 2020
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Ich weiß, wie dramatisch schon jetzt die Einschränkungen sind: keine
Veranstaltungen mehr, keine Messen, keine Konzerte und vorerst auch
keine Schule mehr, keine Universität, kein Kindergarten, kein Spiel auf
einem Spielplatz. Ich weiß, wie hart die Schließungen, auf die sich Bund
und Länder geeinigt haben, in unser Leben und auch unser
demokratisches Selbstverständnis eingreifen. Es sind Einschränkungen,
wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab.
Lassen Sie mich versichern: Für jemandem wie mich, für die Reise- und
Bewegungsfreiheit ein schwer erkämpftes Recht waren, sind solche
Einschränkungen nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen.
Sie sollten in einer Demokratie nie leichtfertig und nur temporär
beschlossen werden - aber sie sind im Moment unverzichtbar, um Leben
zu retten.
Deswegen sind seit Anfang der Woche die verschärften Grenzkontrollen
und Einreisebeschränkungen zu einigen unserer wichtigsten
Nachbarländer in Kraft.
Für die Wirtschaft, die großen Unternehmen genau wie die kleinen
Betriebe, für Geschäfte, Restaurants, Freiberufler ist es jetzt schon sehr
schwer. Die nächsten Wochen werden noch schwerer. Ich versichere
Ihnen: Die Bundesregierung tut alles, was sie kann, um die
wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern - und vor allem um
Arbeitsplätze zu bewahren.
Wir können und werden alles einsetzen, was es braucht, um unseren
Unternehmern und Arbeitnehmern durch diese schwere Prüfung zu
helfen.
Und alle können sich darauf verlassen, dass die Lebensmittelversorgung
jederzeit gesichert ist, und wenn Regale einen Tag mal leergeräumt sind,
so werden sie nachgefüllt. Jedem, der in den Supermärkten unterwegs ist,
möchte ich sagen: Vorratshaltung ist sinnvoll, war es im Übrigen immer
schon. Aber mit Maß; Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist
sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch.
Und lassen Sie mich auch hier Dank aussprechen an Menschen, denen zu
selten gedankt wird. Wer in diesen Tagen an einer Supermarktkasse sitzt
oder Regale befüllt, der macht einen der schwersten Jobs, die es zurzeit
gibt. Danke, dass Sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den
Laden am Laufen halten.
Nummer 100/20 vom 18. März 2020
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Jetzt zu dem, was mir heute das Dringendste ist: Alle staatlichen
Maßnahmen gingen ins Leere, wenn wir nicht das wirksamste Mittel
gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das
sind wir selbst. So wie unterschiedslos jeder von uns von dem Virus
betroffen sein kann, so muss jetzt auch jede und jeder helfen. Zu allererst,
indem wir ernst nehmen, worum es heute geht. Nicht in Panik verfallen,
aber auch nicht einen Moment denken, auf ihn oder sie komme es doch
nicht wirklich an. Niemand ist verzichtbar. Alle zählen, es braucht unser
aller Anstrengung.
Das ist, was eine Epidemie uns zeigt: wie verwundbar wir alle sind, wie
abhängig von dem rücksichtsvollen Verhalten anderer aber damit eben
auch: wie wir durch gemeinsames Handeln uns schützen und gegenseitig
stärken können.
Es kommt auf jeden an. Wir sind nicht verdammt, die Ausbreitung des
Virus passiv hinzunehmen. Wir haben ein Mittel dagegen: wir müssen
aus Rücksicht voneinander Abstand halten. Der Rat der Virologen ist ja
eindeutig: Kein Handschlag mehr, gründlich und oft die Hände waschen,
mindestens eineinhalb Meter Abstand zum Nächsten und am besten
kaum noch Kontakte zu den ganz Alten, weil sie eben besonders
gefährdet sind.
Ich weiß, wie schwer das ist, was da von uns verlangt wird. Wir möchten,
gerade in Zeiten der Not, einander nah sein. Wir kennen Zuwendung als
körperliche Nähe oder Berührung. Doch im Augenblick ist leider das
Gegenteil richtig. Und das müssen wirklich alle begreifen: Im Moment
ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.
Der gutgemeinte Besuch, die Reise, die nicht hätte sein müssen, das alles
kann Ansteckung bedeuten und sollte jetzt wirklich nicht mehr
stattfinden. Es hat seinen Grund, warum die Experten sagen: Großeltern
und Enkel sollten jetzt nicht zusammenkommen.
Wer unnötige Begegnungen vermeidet, hilft allen, die sich in den
Krankenhäusern um täglich mehr Fälle kümmern müssen. So retten wir
Leben. Das wird für viele schwer, und auch darauf wird es ankommen:
niemanden allein zu lassen, sich um die zu kümmern, die Zuspruch und
Zuversicht brauchen. Wir werden als Familien und als Gesellschaft
andere Formen finden, einander beizustehen.
Schon jetzt gibt es viele kreative Formen, die dem Virus und seinen
sozialen Folgen trotzen. Schon jetzt gibt es Enkel, die ihren Großeltern
einen Podcast aufnehmen, damit sie nicht einsam sind.
Nummer 100/20 vom 18. März 2020
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Wir allen müssen Wege finden, um Zuneigung und Freundschaft zu
zeigen: Skypen, Telefonate, Mails und vielleicht mal wieder Briefe
schreiben. Die Post wird ja ausgeliefert. Man hört jetzt von wunderbaren
Beispielen von Nachbarschaftshilfe für die Älteren, die nicht selbst zum
Einkaufen gehen können. Ich bin sicher, da geht noch viel mehr und wir
werden als Gemeinschaft zeigen, dass wir einander nicht allein lassen.
Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die
nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich
wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist.
Dies ist eine dynamische Situation, und wir werden in ihr lernfähig
bleiben, um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren
zu können. Auch das werden wir dann erklären.
Deswegen bitte ich Sie: Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur den
offiziellen Mitteilungen, die wir immer auch in viele Sprachen
übersetzen lassen.
Wir sind eine Demokratie. Wir leben nicht von Zwang, sondern von
geteiltem Wissen und Mitwirkung. Dies ist eine historische Aufgabe und
sie ist nur gemeinsam zu bewältigen.
Dass wir diese Krise überwinden werden, dessen bin ich vollkommen
sicher. Aber wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte
Menschen werden wir verlieren? Wir haben es zu einem großen Teil
selbst in der Hand. Wir können jetzt, entschlossen, alle miteinander
reagieren. Wir können die aktuellen Einschränkungen annehmen und
einander beistehen.
Diese Situation ist ernst und sie ist offen.
Das heißt: Es wird nicht nur, aber auch davon abhängen, wie diszipliniert
jeder und jede die Regeln befolgt und umsetzt.
Wir müssen, auch wenn wir so etwas noch nie erlebt haben, zeigen, dass
wir herzlich und vernünftig handeln und so Leben retten. Es kommt ohne
Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an.
Passen Sie gut auf sich und auf Ihre Liebsten auf. Ich danke Ihnen.

© CDU Bezirksfraktion Hamburg-Nord 2020